Fabio Magalhães "Geographie und Erfahrungen"
für Cristina Barroso

Cristina Barroso gehört zur Künstlergeneration, die in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts den Begriff und den Raum, den sich die bildende Kunst erobert hatte, ausdehnte und mit dem Überschreiten dieser Grenzen der Moderne, das Wesen des Kunstwerkes veränderte.

Dabei arbeitet sie hauptsächlich mit den Beziehungen zwischen Raum/Zeit und Kommunikationsfähigkeiten. Ihre Poetik setzt vor allem auf die Metaphern des Territoriums (Geographie und Erfahrungen), ebenso wie auf Maßeinheiten (Ansammlungen und Lücken), auf Nähe und Entfernungen, auf ausschweifende Bewegung oder Ruhe, einschließlich Beziehungen, die von Geselligkeit und Konflikten gekennzeichnet sind.

Cristina arbeitet mit verschiedenen Materialien, darunter auch traditionelle Medien. Ihre Malerei, Collagen und Zeichnungen setzen Zeichen und Symbole sowie Landkarten in Beziehung mit malerischen Komponenten aus Farbflecken und Schriftzeichen im Kontrapunkt zur scheinbaren Rationalität der geographischen Symbole. Die Flecken und Schriftzeichen sind häufig bildliche Darstellungen, Protagonisten die Beziehungen zwischen Raum, Weg, Entfernung
und sogar Unerreichbarkeit herstellen.

Die Poesie des Kosmos ist faszinierend und sogar die Stadtpläne scheinen den Blick aus einer Weltraumperspektive, aus einem Raum außerhalb unserer
Atmosphäre zu zeigen. Bei diesen Werken haben wir das Gefühl, etwas aus der Ferne zu beobachten. Gleichzeitig gibt es in diesen Räumen Konflikte, die uns bewegen und anstecken. Wenn wir ihnen gegenüberstehen, ergreift uns ein klangvolles Gefühl, aus stetigen Akkorden und anhaltender Stille.

In einigen der ausgestellten Werken spüren wir die Absicht, die körperlichen Aspekte des Objektes, der Materie hervorzuheben. Objekte, die zur täglichen Benutzung in unsere Welt gesetzt werden, in denen die Künstlerin aber eine Poesie darstellt, die von unerreichbaren Welten handelt, die auf Anwesenheit übergreifen. Die erste Beziehung, die wir zu diesen Objekten herstellen, ist die Nähe, eine intime Berührung, jedoch stellen wir bald fest, dass das Werk fern bleibt, unüberwindbar, wie zum Beispiel, Network 2009, Number Sequences 2009 und Cidades 2011.

Es sind beunruhigende Objekte, Schriftzeichen, Karten und Zahlen, die von unseren Beziehungen zur äußeren Welt sprechen, wie die Dimension der Dinge
und der Städte oder der Wege, die sich verbinden und die einen Zugang andeuten, außerdem Werke, die einem kosmischen Raum angehören, einem Raum, der noch unzugänglich ist, der sich nach und nach offenbart und zu dem wir durch die Poesie von Cristina Barroso Zugang finden können.


(Übersetzung: Susanna Berhorn de Pinto)